VLWN-Digital-Summercamp – Tag drei Do it: Vom Erklärvideo bis zum E-Book

VLWN-Digital-Summercamp – Tag drei Do it: Vom Erklärvideo bis zum E-Book

Lernen von Youtube heißt: Tutorials und Erklär- videos nutzen, um Wissen zu vermitteln. Deshalb
stand der dritte Summercamp-Tag ganz im Zeichen der eigenen Medienproduktion. Denn E-Books und
Videos sind ganz leicht mit ein- fachen Tools wie Book-Creator oder iMovie zu realisieren. Björn
Lüders von Continental führte am Morgen per Videoschalte in das Thema ein und erläuterte, wie der
Weltkonzern tagtäglich im Workflow mit Tutorials arbeitet – und hatte auch eine Kostennote mit im
Gepäck, was professionell erstellte Erklärvideos kosten.

Mit „Bordmitteln“ wird das Ganze deutlich preiswerter: Angelika Maiß zeigte in kurzweiligen
Sequzenzen, wie man erst ein E-Book und dann ein Erklärvideo erstellt, Tonspuren und ergänzende
Lerninhalte einbettet, um so den virtuellen Klassenraum zu den Schülern zu transferieren.
Joachim Maiß führte im Nachgang in das „Storytelling“ mit Adobe Spark ein, das eine lizenzfreie Bilddatenbank implementiert hat,
um visuell starke Präsentationen oder auch Videos zu erstellen, an denen man kollaborativ arbeiten
kann.

Wie man in kürzester Zeit überzeugende Inhalte im Unterricht schnell und zielführend präsentiert,
führten Torben Einicke, Philip Schriever und Cem Sunguroglu – per Video zugeschaltet
– anhand von Elevator-Tools vor, die mit fixen Zeitfenster arbeiten. Der dritte Camp-Tag klang mit
einem gemeismane Grillabend aus.

Nachdem die Neue Presse aus Hannover am Dienstag groß über das Summercamp berichtet hatte, war am
Mittwoch der NDR zu Gast und interviewte teilnehmende Referendare und den VLWN-Vorsitzenden Joachim
Maiß.

Vorschau: Donnerstag, 13. August

Der vierte Summercamp-Tag steht ganz im Zeichen des Unterrichts. Wir stellen das Lern-
managementsystem Moodle vor. Nicht nur theoretisch – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
arbeiten mit und auf einem eigenen Moodle-Server; sie können ihn auch kaputt spielen?! Wir
sehen eine konkrete Unterrichtsstunde mit Moodle. Wir lernen EDU-Scrum und ISA kennen. Danach wollen wir herausfinden, was
denn hybrider Unterricht ist. Wir lernen Beispiele für digitalen und digital dezentralen
Unterricht kennen und wollen versuchen, „Kochrezepte“ für digitalen Unterricht vorzustellen.
Dabei wird es um banalen Frontalunterricht genauso wie um Beispiele für
einen digitalen ThinkTank gehen.

VLWN-Digital-Summercamp – Tag zwei Lernszenarien und ganz viel „Teams“

VLWN-Digital-Summercamp – Tag zwei Lernszenarien und ganz viel „Teams“

Was bedeutet Digitalisierung in der Schule? Dass die Schüler Tafelbilder mit ihren Handys  abfotografieren und mit elektronischen Medien lernen? Wohl kaum. Ein Tool, an dem die berufliche  Bildung bei der Digitalisierung nicht mehr vorbeikommt, ist Mircrosoft Office365. Das  Softwarepaket hat sich längst durchgesetzt. Alexander Singer, Office-Trainer von Microsoft, hat am zweiten Summercamp-Tag eindrucksvoll gezeigt, dass O365 der „Schlüssel für das digitale  Klassenzimmer“ ist, wie ein Team für Videokonferenzen und Klassen angelegt werden sowie ein Beurteilugsfeedback gegeben werden kann.

Susanne Quiel, Solution Manager, und Anja Lommatzsch, Change Manager von Conti, haben  gezeigt, wie mit Teams in einem Unternehmen eine Kommunikationsform und Kollaborationsplattform  in einem internationalen Unternehmen umgesetzt wurde. Seit 2014 wurde jeder Mitarbeiter weltweit mit Schulungen, Filme, Coachings und Podcasts angehalten und unterstützt, Teams zu verwenden. Die Referentinnen erklärten, dass bei Conti das lebenslange Lernen oberste Priorität hat.

Julia Sommer hat online einen Einblick skizziert, wie Teams an der MMBbS als Schulplattform eingesetzt und strukturiert wird. Sie betonte, dass im Vorfeld die Beteiligten die Struktur vom gesamten Kollegium akzeptiert und eingehalten wird. Sie hat gezeigt, wie Klassen, Kurse und Lernfelder als Kanäle benannt und eingerichtet werden. Am Nachmittag endete der zweite Camp-Tag  bei 38 Grad mit einem gemeinsamen Ausflug zum Hüttensee nach Meißendorf, entspannt segeln und Sub fahren.

Vorschau: Mittwoch, 12. August
Ein Auto fährt nicht ohne Energie. Die Energie des digitalen Unterrichts sind die digitalen Medien.

Der heutige Camp-Tag steht ganz im Zeichen der Medienproduktion – ob nun das einfache digitale Arbeitsblatt oder das Erklärvideo. Wir stellen vor und lassen ausprobieren. Am Nachmittag findet ein dreistufiger Elevator-Pitch statt. Die Referentinnen und Referenten haben genau 10 Minuten Zeit, ein Tool für den Unterricht vorzustellen. Was ist das? Wozu dient es? Wie geht das? Was kann ich damit im Unter- richt machen? Der Timer beendet gnadenlos die einzelnen
Pitches. Im anschließenden Worldcafe kann man bei den Referentinnen und Referenten nachfragen und weitere Infos bekommen.

Premiere: VLWN-Summercamp startet am 10.08.2020 Open-Online-Sessions per Webex begleiten

Premiere: VLWN-Summercamp startet am 10.08.2020 Open-Online-Sessions per Webex begleiten

Das erste digitale Summercamp des VLWN startet am morgigen Montag an der Multi Media BbS und mit Unterstützung dieser Institution. Der erste Camp-Tag steht unter dem Motto:
„Warum überhaupt Digitalisierung in Schule oder von Schule?“

Wir haben den digitalen Staatssekretär Niedersachsens – Stefan Muhle – für ein digitales Grußwort gewinnen können und vermuten, dass er einen Teil zur Beantwortung der Kernfrage beitragen kann und wird.

Berufsbildende Schulen bilden für die berufliche Praxis aus. Mit Vertreterinnen und Vertretern von Hannover Digital, also aus der Praxis, werden wir die Begründung für die Digitale Transformation in Schule liefern. Unter dem Label „Nachwuchskraft“ engagieren sich Unternehmen aus der Region Hannover im Bildungsbereich. Der Handshake zwischen Schule und Wirtschaft ist kein Teufelszeug, sondern eine sinnvolle Ergänzung der schulischen Möglichkeiten.
An die Sinnfrage des Camps schließt sich die Technikfrage an. „Wie sieht ein digitales Klassenzimmer aus?“ Neben dem klassischen Arbeitsplatz vor der Tafel im Klassenraum hat uns Corona gezeigt, dass es einen zweiten, oft verkannten und nicht gesehenen Arbeitsplatz für Lehrkräfte gibt. In der Vergangenheit diente er einerseits zur Vorbereitung von Unterricht mit allen Nuancen und andererseits zur Korrektur von Klassenarbeiten und Prüfungen. Heute ist er zur Schaltzentrale für den digitalen Unterricht geworden. „Wie kann dieses Lehrer-Homeoffice aussehen? Was benötigt man mindes- tens?“ Wie immer gibt es kaum Grenzen nach oben.

Die Multi Media BbS bietet die unterschiedlichsten Lösungen für Klassenräume und Homeoffice-Lösungen der Kolleginnen und Kollegen. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Camps öffnet sich ein riesiges digitales Spielzimmer zum Kennenlernen und Erproben.

Was nützt die beste Technik, wenn man keinen Ort hat, an dem man miteinander arbeiten und kommunizieren kann? Bildungsportale gibt es zuhauf, aber nur die NBC (Niedersächsische BIldungscloud) ist zukunftssicher für die niedersächsischen Schulen. Schon heute bietet sie viel mehr, als man erwarten kann; sicher immer noch nicht genug, aber auch sie ist eine Evergreen-Software. Sie wird ständig verbessert sowie erweitert und nicht nur aus Niedersachsen heraus. Mehr dazu liefert die Initiatorin der NBC, die Bildungsinitiative n21, die die NBC im Auftrag des Kultusministeriums entwickelt und ausrollt. Was bietet sie, wie kommt man ran und rein? Wie arbeite ich mit ihr in meinem Unterricht?

Die Antworten auf diese Fragen schließen den ersten Camp-Tag ab, der mit einem Afterwork- Talk bei Bier und Würstchen enden wir

Digitales Summercamp

Digitales Summercamp

Erlebnisraum Schule: VLWN-Summercamp macht Lust auf Zukunft

Kollaboriertes Lernen – Digitale Transformation – Distance Learning – Der spielerische Zugang zu digitalem Wissen: In Corona-Zeiten strapazierte Schlagworte, die jedoch eher Wunschgedanken einiger Vordenker*innen sind, als erlebbarer oder gar erprobter (Schul-)Alltag.

Genau das wollen wir ändern!

Beim VLWN-Summercamp
vom 10. bis zum 14. August 20202
in den realen und digitalen Räumen der MMBbS

Im Rahmen dieser Fortbildung lassen wir die Vision vom „lustvollen Lernen“ Realität werden: Dazu werden wir mithilfe von hochkarätigen Referent*innen interaktiv zeigen, wie individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert, Klassenräume durch multimediale Lernstationen ersetzen und Homeschooling mit Präsenzunterricht bedarfsgerecht kombiniert werden können. Einen ersten Vorgeschmack auf das VLWN-Summercamp gibt es genau HIER

Vermittelt wird das Wissen in einem hybriden Format: zwölf Teilnehmer*innen – vorzugsweise Referendarinnen und Referendare, die sich um die Plätze bewerben müssen – sind während des VLWN-Summercamps live vor Ort, 144 weitere Teilnahme-Plätze stehen online zur Verfügung und werden nach dem „first come, first serve“-Prinzip vergeben.

Lust auf Zukunft? Dann sichern Sie sich jetzt schnell einen der Online-Teilnahmeplätze per E-Mail an info@vlwn.de, Stichwort „Summercamp“. Sie sind Referendar*in und möchten beim VLWN-Summercamp live vor Ort mit dabei sein? Dann schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Stichwort „Summercamp live“ an info@vlwn.de.

Gut gerüstet ins neue Schuljahr: 10-Punkte-Plan für Unterricht mit (und nach) Corona

Gut gerüstet ins neue Schuljahr: 10-Punkte-Plan für Unterricht mit (und nach) Corona

Deutscher Lehrerverband fordert mehr als nur das Aufstellen von Hygienestandards von der KMK

Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitgliedsverbände DPhV, VDR, BvLB und KEG sehen die Politik in der Pflicht, im nächsten Schuljahr Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen möglichst guten Verlauf des kommenden Schuljahrs in Zeiten von Corona gewährleisten. Für das neue Schuljahr sollten die wichtigen Erfahrungen aus der Krise für das Bildungssystem nutzbar gemacht werden. Dazu fordert der Deutsche Lehrerverband die Umsetzung des folgenden 10-Punkte-Plans!
Die Lehrerverbände hoffen, dass die Quote der Infektionen gering genug liegt, um Präsenzunterricht mit möglichst geringem Risiko von Infektionsclustern abzuhalten. Nach wie vor darf die bestehende Gefahr eines wieder zunehmenden Infektionsgeschehens allerdings nicht unterschätzt werden.
Der Deutsche Lehrerverband und seine Mitglieder fordern daher deutlich umfassendere Innovationen in grundlegenden pädagogischen, technischen, gesundheitsrelevanten und schulorganisatorischen Rahmenbedingungen, die zu Beginn des neuen Schuljahrs umgesetzt sein sollten, als nur die heute von der KMK vorgestellten Hygienestandards für das neue Schuljahr.
Ihre gemeinsamen Forderungen an die Kultusminister und Landesregierungen für einen unter den jetzigen Rahmenbedingungen möglichst optimalen Schulstart im Herbst hat das Präsidium des Deutschen Lehrerverbandes in folgendem 10-Punkte-Plan zusammengefasst:

10 Punkte-Plan des DL für Unterricht mit (und nach) Corona

1. Ziel ist der digital unterstützte Präsenzunterricht als Regelfall (Plan A) auf der Basis eines neu zu erarbeitenden didaktischen Konzeptes. Moderner Unterricht verlangt den Einsatz von digitalen Medien. Dazu müssen sämtliche Schulen in den Sommerferien 2020 so instand gesetzt werden, dass alle Lehrkräfte mit allen Schülern mit den zur Verfügung gestellten eigenen digitalen Endgeräten rechtssicher und datenschutzkonform über die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren können. Im Notfall kann der digital unterstützte Präsenzunterricht aufgrund der von Kultus- und Gesundheitsbehörden regional beurteilten Infektionslage durch Fernunterricht phasenweise ersetzt werden (Plan B) – mit Teilnahmepflicht, verbindlich zu erreichenden Kompetenzzielen und klaren Vorgaben für Leistungserhebungen und -bewertungen.

2. Für den digital unterstützten Präsenzunterricht im Schuljahr 2020/21 müssen neben dem Regelunterricht dauerhaft Förderangebote zur Verfügung gestellt werden, um Schülerinnen und Schüler bedarfsorientiert beim Erreichen der angestrebten Bildungsstandards zu unterstützen. Dazu bedarf es der Nutzung aller vorhandenen personellen Ressourcen, um durch größere Lehrerreserven an den Schulen bessere Fördermöglichkeiten und Differenzierungsangebote zu schaffen. Das bedeutet eine schulartspezifische Einstellung zum kommenden Schuljahr über Bedarf bis zu 130 Prozent ebenso wie den Einsatz erheblicher zusätzlicher finanzieller Mittel, um auch kurzfristig deutlich mehr freiwillige Förderangebote zur Verfügung zu stellen.

3. Der digital unterstützte Präsenzunterricht gemäß Plan B ist angepasst an die jeweilige regionale Infektionslage schulart- und altersspezifisch durchzuführen.

4. Für die verlässliche Planung des neuen Schuljahrs müssen die Länder die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Testungen der Lehrkräfte (und Schüler) an der Schule sowie einen Visierschutz zur Verfügung stellen. Praxistaugliche und aerosolvermindernde Lüftungskonzepte müssen zwei Wochen vor Schulbeginn zur Verfügung stehen, sonst kann kein voller Präsenzunterricht stattfinden. Dies gebietet die Fürsorgepflicht des Staates als Arbeitgeber gegenüber seinen Lehrkräften.

5. Bildung- und Leistungsstandards dürfen nicht abgesenkt werden, sondern die Curricula und die Prüfungen sind kompetenzorientiert vollständig zu erfüllen. Schulen und Lehrkräfte entscheiden über die Art und Quantität von Fördermaßnahmen vor Ort. Jede Schule erhält dafür ein zusätzliches Budget.

6. Freiwillige Wiederholungen auch zur Hälfte des Schuljahres sollten als flexibles Instrument ermöglicht und von Schülerinnen und Schülern als solches genutzt werden, um kumulierte Lernrückstände nicht erst am Ende des Schuljahres aufholen zu müssen.

7. Digitale Sprechstunden zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern sollten in das Unterrichtsdeputat integriert und wöchentlich zweistündig für potentiell versetzungsgefährdete Schüler und deren Eltern sowie für interessierte Eltern und Schüler durchgeführt werden. Dazu ist das Unterrichtsdeputat um mindestens eine Stunde abzusenken.

8. Das Zusammenwirken von Eltern, Lehrkräften und Schülern ist zu stärken und besser zu organisieren, um Polarisierungen vorzubeugen und um für die gemeinsame Bewältigung von Krisensituationen besser gerüstet zu sein.

9. Das Referendariat ist in allen Bundesländern auf die ursprüngliche Dauer von zwei Ausbildungsjahren anzuheben, damit Referendare sowohl dem erhöhten Anforderungsprofil im Lehrerberuf genügen wie auch für bedarfsorientierten Förderunterricht für Schüler zur Verfügung stehen.

10. Lebenslanges Lernen wird nur gelingen, wenn sich Schule als Teil der Gesellschaft inhaltlich mit den Hintergründen der Pandemie auseinandersetzt und Resilienz entwickelt, mögliche weitere Krisen zu bewältigen. Hierfür müssen Schulen neue Inhalts- und Organisationskonzepte entwickeln.

Da bisher niemand voraussagen kann, wie sich nach Schulstart das Corona-Infektionsgeschehen entwickelt, kann es je nach Infektionslage immer wieder z. B. regional oder an einzelnen Schulen oder für einzelne Klassen vorkommen, dass eine Verlagerung des Unterrichts von der Anwesenheit im Schulgebäude auf Distanzlernen mit Hilfe von Online-Medien stattfinden muss. „Ein digital
gestützter Präsenzunterricht ermöglicht Flexibilität“, erläutert der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, und fordert: „In der verbleibenden Zeit bis zum Beginn des nächsten Schuljahres müssen alle Schulen in die Lage versetzt werden, mit digitalen Endgeräten rechtssicher und datenschutzkonform über die digitale Plattform der Schule kommunizieren und lehrplanbezogen interagieren zu können. Digital gestützter Präsenzunterricht in den Schulen kann so im Fall der Fälle ziemlich nahtlos auf digital unterstützten Fernunterricht umgestellt werden.“

Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), betont: „Im neuen Schuljahr ist es wichtig und vordringlich, eventuelle Defizite, Wissenslücken oder Unterschiede im Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu klären und auszugleichen. Es ist eine enorme und sehr verantwortungsvolle Aufgabe, bedarfsorientiert entsprechende Förderangebote und Differenzierungsmöglichkeiten anzubieten.“ Dazu benötige man Lehrkräfte über das übliche Maß und Budget hinaus. Die Ministerien sollten für die Schulen die finanziellen und personellen Ressourcen vorhalten, um z. B. durch integrierte Lehrerreserven auch einen Plan B mit Präsenz- und Fernunterricht im regionalen Notfall schnell und unbürokratisch umsetzen zu können.

Neben den Lerninhalten im Präsenzunterricht und über digitale Wege steht in der aktuellen weltweiten Corona-Krise auch der Gesundheitsschutz der Schulfamilie im Fokus. „Lehrkräfte, Verwaltungspersonal und Schülerinnen und Schüler haben einen Anspruch auf Infektionsprävention! Die Länder und Schulträger müssen im Rahmen ihrer Fürsorgeverpflichtung die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Testungen schaffen und praxistaugliche und aerosolvermindernde Lüftungskonzepte vorhalten“, fordert der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), Wolfgang Lambl. „Außerdem sind digitale Sprechstunden zwischen Lehrkräften, Eltern, Ausbildenden und Schülern gerade in Zeiten des Abstandshaltens ein zusätzlicher Weg, um eine bessere Kommunikation zu gewährleisten – damit Lehrkräfte dieses Kommunikationsangebot anbieten können, muss das Unterrichtsdeputat um mindestens eine Stunde abgesenkt werden.“

So notwendig die schnelle Ausstattung in technischer und hygienischer Hinsicht in der aktuellen Situation ist, müssen die Schulen aber andererseits auch langfristig gestärkt werden, um für zukünftige Krisen gerüstet zu sein. “Noch bis vor 20 Jahren waren sich alle Bundesländer erfreulicherweise ungebrochen einig: Schüler brauchen gut ausgebildete Lehrkräfte und der Vorbereitungsdienst umfasste deshalb überall zwei Ausbildungsjahre. Richtig so!”, urteilt die DPhV-Vorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing und fordert eine Rückkehr zum 24-monatigen Referendariat, das in allen Ländern bis auf Bayern z.T. erschreckend heruntergekürzt wurde, und das obwohl die Anforderungen unbestritten stetig gestiegen sind. “Geben Sie sich angesichts der erhöhten Anforderungen an den Lehrerberuf den nötigen Ruck und kehren Sie zum 24-monatigen Referendariat für die kommenden Referendarsjahrgänge zurück”, fordert Lin-Klitzing die Kultusminister der Länder auf, “damit der Lehrernachwachs endlich wieder richtig gut ausgebildet vor die Klassen treten kann, im ersten Ausbildungsjahr für Förderunterricht für Schüler zur Verfügung steht und im zweiten Ausbildungsjahr gut vorbereitet zunehmend Verantwortung für ganze Klassen übernimmt!”

Gerlinde Kohl von der Katholischen Erziehergemeinschaft KEG weist darauf hin, dass Schulen in der Zukunft neue Inhalts- und Organisationskonzepte und Resilienz entwickeln müssen, um mögliche weitere Krisen bewältigen zu können und zum lebenslangen Lernen anzuleiten. „Lebenslanges Lernen bedeutet Bildungsarbeit, die Reflexion und Veränderungsprozesse anregt. Lebenslanges Lernen will Transformation mit Blick auf Nachhaltigkeit und fordert starke Institutionen“, unterstreicht die KEG-Bundesvorsitzende den 10-Punkte-Plan für den Unterricht mit (und nach) Corona des Deutschen Lehrerverbandes.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie die Mitglieder des Präsidiums des Deutschen Lehrerverbandes:
DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger: 0160 – 52 75 609 und 030/70 09 47 76 – www.lehrerverband.de
Bundesgeschäftsstelle DPhV, Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: 030/ 40 81 67 89 – www.dphv.de
Bundesgeschäftsstelle VDR, Bundesvorsitzender Jürgen Böhm: 0 89 / 55 38 76 und 0151 – 11 71 55 89 – www.vdr-bund.de
BvLB-Bundesgeschäftsstellen: 030/ 40 81 66 50 und 0511/ 21 55 60 70 – www.bvlb.de
KEG-Bundesgeschäftsstelle: 089 / 26 02 47 99 – www.keg-deutschland.de
Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

_______________Bildquelle Titelbild: Pixabay: Wokandapix___________

Politik wird getrieben vom gesellschaftlichen Druck: Schulstart nach Ferien zu 100 % Präsenzunterricht

Politik wird getrieben vom gesellschaftlichen Druck: Schulstart nach Ferien zu 100 % Präsenzunterricht

BvLB: Hygienekonzepte nicht ausreichend/Gesundheitsschutz muss gewährleistet sein. (Pressemeldung de BVLB vom 08. Juni 2020)

Der Druck auf dem Kessel ist groß: Weil die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und bildungsrelevanten Kollateralschäden immer größer werden, will die Politik die Schulen nach den Sommerferien gänzlich für alle Schülerinnen und Schüler wieder öffnen. Das gilt auch für die berufsbildenden Schulen. Als Legitimation ziehen gleich mehrere Ministerpräsidenten die deutlich gesunkenen Zahlen an Neuinfektionen heran. Ein Vabanque-Spiel mit Blick auf die neuerlichen Schulschließungen in Bremerhaven oder Göttingen zur Eindämmung neuer Infektionsherde. „Die Schulen sind schlicht nicht Corona-sicher. Wenn wir Abstandsregeln und Maskenpflicht auch über den Herbst einhalten, wie von Virologen und Bundespolitik gefordert, ist ein 100-prozentiger Präsenzunterricht nicht möglich, weil schlicht die räumlichen und personellen Kapazitäten fehlen“, sagt Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. (BvLB).

Eugen Straubinger, ebenfalls BvLB-Vorsitzender, ist angesichts des politischen Aktionismus verblüfft: „Mich beschleicht das Gefühl, dass die Politik auf der Hälfte der Wegstrecke jetzt umdreht und zur Normalität zurückkehren möchte. Dabei sind wir noch inmitten pandemischer Zeiten. Infektionshotspots können jederzeit wieder erwachsen, das Erreichte zunichte machen und neuerliche Schulschließungen nach sich ziehen. Die Hygienekonzepte der Länder sind nicht ausreichend, um bei 100-prozentigem Präsenzunterricht den Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler verlässlich zu gewährleisten.“

Wenn, dann…: Wenn die Kultusministerkonferenz beschließen sollte, dass nach den Sommerferien ausschließlich Präsenzunterricht stattfinden soll, dann müssen in der unterrichtsfreien Zeit bauliche Erweiterungen vorgenommen werden, um unter Einhaltung der Abstandspflicht mit halbierten Klassen im Zweischichtbetrieb unterrichten zu können. Als logische Konsequenz daraus muss die Zahl der Lehrkräfte verdoppelt werden, um den Schulbetrieb in gewünschter Form aufrecht zu erhalten.

„Beides ist unrealistisch. Also müssen die hygienischen Bedingungen dem Infektionsschutzgesetz folgend deutlich ausgebaut werden. Dazu zählt – wie in jedem Ladengeschäft mittlerweile Standard – ein Spuckschutz aus Plexiglas auf jedem Lehrerpult und zwischen den einzelnen Schülerbänken installiert sind. Außerdem müssen Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler ein Anrecht auf wöchentlich kostenlose Tests haben. Und: Angesichts der ungeklärten Aerosol-Problematik müssen alle Klassenräume über eine ausreichende Belüftung verfügen. Unterricht bei offenen Fenstern im Sommer ist angenehm, Durchzug bei Minustemperaturen gesundheitsgefährdend“, sagt Maiß.

Besser und zukunftsweisender ist es aus Sicht des BvLB, wenn die Erfahrungen und Erkenntnisse der „erzwungenen“ Digitalisierung der letzten Monate einen systemischen Unterbau erfahren und der Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht in den Schulalltag integriert wird. Die Multi Media Berufsbildenden Schulen (MMBbS) an der Expo Plaza in Hannover unterrichten seit April nur online – als einzige Schule in Deutschland, weil sie technisch entsprechend ausgestattet sind und so verlässlichen Distanzunterricht garantieren können.

„Die Berufsbildner sind in der Krise ins kalte Wasser gestoßen worden, sind zu neuen Ufern geschwommen, haben Distanzunterricht trotz aller technischen Probleme realisiert und viel experimentiert. Dieses Wissen müssen wir uns zunutze machen, um die eingeläutete Digitalisierung jetzt nicht abrupt zu stoppen und ins Gestern zurückzufallen“, sagt Straubinger.